Konzert 20260419
Anna Zassimova begeistert mit Bach, Schumann und Chopin

Altes Rathaus, 19.04.2026. Ein tiefgehender Klavierabend, der es in sich hatte. Anna Zassimova spielte auf Einladung des Freundeskreises und der VHS im Alten Rathaus ein Programm mit zwei schwergewichtigen Werken: Johann Sebastian Bachs Partita e-moll (BWV 830) und Robert Schumanns Kreisleriana op. 16. Hinterher warf sie noch, weil das Publikum sie nicht gehen lassen wollte, zwei Mazurken und einen Walzer von Frédéric Chopin.

Zassimova, die als Jugendliche am Gnessin-Institut Moskau und später an der Musikhochschule Karlsruhe pianistisch ausgebildet wurde, geht in ihrer Interpretation aufs Ganze. Ihr Spiel, obwohl technisch vom Feinsten, wirkt nie routiniert und wiederholbar. Stattdessen geht sie jeden Moment in die Tiefe der Emotion, die sie in der Musik findet. So werden die sieben Sätze aus Bachs Partita zu Charakterstudien: mal scheint in der rechten Hand ein virtuoses Soloinstrument über einer Basslinie zu singen, dann rauscht eine Fuge durch alle Stimmen und Register.

Schumanns Kreisleriana nimmt Bezug auf den genialen Kapellmeister Johannes Kreisler, eine literarische Figur E.T.A. Hoffmanns. Das Sprunghafte, mal Verträumte, mal Rasende dieses Charakters bringt Zassimovas aufwühlende Interpretation in vollen Zügen zur Geltung. So war ein Wechselbad der Stimmungen zu erleben – und Zassimova wollte diese Stimmungen nicht kontrollieren, sondern sich mit ihnen treiben lassen. Im vorletzten Satz des Zyklus ging sie im Tempo bis zum Äußersten. Man darf vermuten, dass sich Schumann, ebenfalls ein ruheloser Grenzgänger, diese Art der Interpretation gewünscht hätte. Nach einer so wild bewegten halben Stunde war es fast beruhigend, den Abend mit drei filigran dahingetupften Chopins ausklingen zu lassen. Das Publikum dankte begeistert.