St. Brictius, 16.09.2012. Harfe und Klarinette – passt das zusammen? Es passt, und zwar ganz hervorragend.

Eigentlich ist es eine Kombination, die eher fremd erscheint. Immerhin liegen zwischen Entwicklung der Harfe und der Klarinette etwa 2700 Jahre. Beim Konzert am Sonntag in der St.-Brictius-Kirche harmonierten die beiden Instrumente perfekt, was natĂŒrlich auch an den beiden KĂŒnstlern lag. Katharina Teufel an der Harfe und Gabor Lieli an der Klarinette ĂŒberzeugten mit „Wind- und Saitenspielen aus vier Jahrhunderten“.


Pfarrer Thomas Diedershagen wĂŒnschte den GĂ€sten anfangs eine Stunde der Entspannung, und das Duo startete sein Programm mit dem Concertino von C.M. v. Weber. Gabor Lieli kĂŒndigte eine kleine Weberoper an, und die VielfĂ€ltigkeit des StĂŒckes begeisterte die Zuhörer sofort. Die Klarinette schien sich förmlich einen Wettlauf mit der Harfe zu liefern, und die Protagonisten waren sogleich auf Betriebstemperatur.

FĂŒr seine Tochter hatte J. Ibert die „Fantasia“ fĂŒr ein Harfe-Solo geschrieben und Katharina Teufel entlockte ihrem Instrument einen Wasserfall aus Tönen. Atemberaubend schnell glitten die HĂ€nde ĂŒber die Saiten.

In ein Pariser Kaffeehaus nahmen die beiden das Publikum beim nĂ€chsten StĂŒck mit: die Canzonetta von G. Pierne – ein eher unbekanntes StĂŒck, das typisch französisch elegant daherkam und bei dem besonders der Klang der Klarinette den Zuhörern einen Hauch von französische Metropole vermittelte.

Die Suite No. 1 hatte Johann Sebastian Bach eigentlich fĂŒr die Laute komponiert. Doch auch hier beeindruckte Katharina Teufel an der Harfe und verstand es vorzĂŒglich, die Komposition Bachs mit der ihm eigenen Exaktheit und MusikalitĂ€t umzusetzen.

Beim ersten Satz aus F. V. Krommers Klarinettenkonzert konnte sich Gabor Lieli so richtig austoben. Der Musiker war hierbei voll in seinem Element und entlockte dem Holzblasinstrument wunderbare Melodien, die durch die hervorragende Akustik der Brictiuskirche mit voller Wucht die Zuhörer erreichten. Lieli zeigt hierbei, wie viel Dynamik in diesem relativ kleinen Instrument steckt, und trotz seiner Dominanz konnte auch die Harfenistin Akzente setzen und das StĂŒck musikalisch komplettieren.

Es folgten die sechs rumĂ€nischen TĂ€nze von Bartok und das Adagio aus dem Klarinettenkonzert A-Dur von Mozart – ebenfalls weitere Höhepunkte dieses Abends.

In sechs Miniaturen fĂŒr Harfe prĂ€sentierte Katharina Teufel das Familienleben mit sechs Kindern. Von vorsichtig ĂŒber fröhlich bis dominant stellte sie musikalisch ihre Familie vor.

Den krönenden Abschluss setzte das Duo mit einem Ausschnitt aus einer der meistgespielten Opern der Welt: L. Bassi hatte die Rigoletto Fantasia arrangiert, und das Publikum zeigte sich erneut beeindruckt vom Können und der PrÀsenz der Musiker bei diesem Vortrag.

Auch wenn Teufel und Lieli dem Publikum nichts schuldig geblieben waren, weil sie alles gegeben hatten, war eine Zugabe selbstverstÀndlich. Die Zuhörer dankten ihnen mit langem Applaus.

(Quelle, Text und Foto: WN, Helmut Schwietering, 18.09.2012)